{"id":104,"date":"2020-03-08T14:18:46","date_gmt":"2020-03-08T14:18:46","guid":{"rendered":"http:\/\/geraldzagler.net\/?p=104"},"modified":"2023-11-24T22:27:18","modified_gmt":"2023-11-24T22:27:18","slug":"was-uns-street-art-kunstler-banksy-uber-die-abgrunde-der-schillernden-markenwelt-lehrt","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/geraldzagler.net\/?p=104","title":{"rendered":"Was uns Street-Art-K\u00fcnstler Banksy \u00fcber die Abgr\u00fcnde der schillernden Markenwelt lehrt"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>Seit mittlerweile zwei Jahrzehnte ist Banksy einer der verl\u00e4sslichsten Saboteure der Kunstwelt<\/strong>.<strong> Von seinen subversiven Aktionen<\/strong> <strong>berichten Medien weltweit, was sich nicht zuletzt auch im Verkaufswert seiner Werke niederschl\u00e4gt. Er selbst schuf durch konsequente Abwesenheit einen Mythos rund um seine Person. 2009 stellte er in seiner Heimatstadt Bristol aus &#8211; Massen str\u00f6mten in die englische Kleinstadt, um bei dem Happening dabeizusein <\/strong><\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Das Bristol City Museum ist eine Mischung aus natur- und kunsthistorischem Museum, das auf drei Etagen seine Exponate pr\u00e4sentiert.&nbsp;Im Erdgeschoss kann man, wie es auf der offiziellen Homepage hei\u00dft, \u00c4gypten besuchen und eine Sammlung britischer V\u00f6gel und S\u00e4ugetiere bestaunen. In einem Frischwasseraquarium schwimmen heimische Fische. Es gibt ein Caf\u00e9 und einen Museumsshop. Im zweiten Stock wird man von einem \u201efurchterregenden\u201c Seedrachen begr\u00fc\u00dft und hat die M\u00f6glichkeit in einer Kartenausstellung das historische Bristol zu erkunden. Vorbei an der Sammlung \u201emagischer\u201c Mineralien und \u201efantastischer\u201c Fossilien, finden sich noch mehr pr\u00e4parierte Tiere aus den verschiedensten Gegenden der Welt, Dinosaurier und der allseits beliebten &#8220;Zigeunerwagen&#8221;. <\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-embed is-type-video is-provider-youtube wp-block-embed-youtube wp-embed-aspect-16-9 wp-has-aspect-ratio\"><div class=\"wp-block-embed__wrapper\">\n<iframe loading=\"lazy\" title=\"Banksy vs Bristol Museum\" width=\"840\" height=\"473\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/lRai9x8aD3A?feature=oembed\" frameborder=\"0\" allow=\"accelerometer; autoplay; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture\" allowfullscreen><\/iframe>\n<\/div><figcaption class=\"wp-element-caption\">Teaser zur Ausstellung &#8220;Banksy versus The Bristol Museum&#8221;, 2009<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>In der obersten Etage betritt der Besucher und die Besucherin schlie\u00dflich das Reich der K\u00fcnste und kann neben einer Kollektion britischer Malerei auch mittelalterliche Meister, Maler der franz\u00f6sischen Schule und Werke der Moderne bestaunen. 2009 sollte sich das etwas verstaubte Image des Museum schlagartig zum positiven wenden, als es pl\u00f6tzlich hie\u00df, dass der Popstar der Kunstwelt Banksy das Bristol City Museum \u00fcber die Sommermonate hinweg die Institution quasi kapert und die Sammlung mit seinen Arbeiten auffrischt. Nach Er\u00f6ffnung setzte ein noch nie da gewesener Besucheransturm auf die ansonsten gem\u00fctlich wirkende Hafenstadt ein. Die Leute kamen von \u00fcberall her, um die seltene Gelegenheit zu nutzen, eine umfangreiche Werkschau des Street-Art-K\u00fcnstlers im Original und an einem Ort gesammelt zu besichtigen. Auffallend war die Heterogenit\u00e4t der Menge. Von jung bis alt, von ausgeflippt bis spie\u00dfb\u00fcrgerlich, alle warteten meist mehrere Stunden darauf, in jene Ausstellung zu gelangen, die Banksy, wie er \u00fcber die Direktorin des Museums, Kate Brindley, ausrichten lie\u00df, als Geschenk an die Einwohner Bristols sah, denen er etwas zur\u00fcckgeben wollte, weil er sich selbst von seiner Heimatstadt stets gut behandelt f\u00fchlte.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"768\" src=\"http:\/\/geraldzagler.net\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/Banksy_on_Park_Street_-_panoramio-1024x768.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-124\" srcset=\"http:\/\/geraldzagler.net\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/Banksy_on_Park_Street_-_panoramio-1024x768.jpg 1024w, http:\/\/geraldzagler.net\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/Banksy_on_Park_Street_-_panoramio-300x225.jpg 300w, http:\/\/geraldzagler.net\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/Banksy_on_Park_Street_-_panoramio-768x576.jpg 768w, http:\/\/geraldzagler.net\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/Banksy_on_Park_Street_-_panoramio-1536x1152.jpg 1536w, http:\/\/geraldzagler.net\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/Banksy_on_Park_Street_-_panoramio-1200x900.jpg 1200w, http:\/\/geraldzagler.net\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/Banksy_on_Park_Street_-_panoramio.jpg 2048w\" sizes=\"(max-width: 709px) 85vw, (max-width: 909px) 67vw, (max-width: 1362px) 62vw, 840px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Abb. 1: Banksy. Schablonen-Graffiti. angebracht 2006. Park Street, Bristol &#8211; Foto: neopeo\/Wikimedia<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Seine Arbeiten im \u00f6ffentlichen Raum stie\u00dfen seit Beginn seiner steilen Karriere etwa zehn Jahren zuvor auf eine breite Akzeptanz der Bev\u00f6lkerung. Obwohl die Schablonen-Graffitis teilweise stark in das traditionelle Stadtbild eingriffen, wurden sie optisch als derart ansprechend wahrgenommen, dass es in Bristol 2006 zu einer offiziellen Abstimmung kam, in der sich 93 Prozent f\u00fcr den Verbleib eines seiner Werke (Abb. 1), das sich in der Park Street an prominenter Stelle befindet, entschieden. Nat\u00fcrlich geschah dies bereits zu einer Zeit, als Banksy l\u00e4ngst international den Durchbruch geschafft hatte und dessen Erfolg mit Verz\u00f6gerung, still und heimlich in das Akzeptanzspektrum der breiten Masse eindrang. Im November 2006 blamierte sich die Londoner Stadtregierung etwa, als sie auf \u00fcblichem Amtsweg beschloss, kurz vor der Er\u00f6ffnung des Gillett-Squares in Hackney, den Ort von unliebsamen Graffitis zu befreien. Dem Reinigungstrupp fielen n\u00e4mlich auch zwei Banksy- Graffitis zum Opfer. Zur selben Zeit erzielte eine seiner Arbeiten bei Sotheby\u2019s \u00fcber 100.000 britische Pfund.<\/p>\n\n\n\n<p>Trat er bis jetzt mit den gro\u00dfen H\u00e4usern wie der Tate Britain in London oder dem Museum of Modern Art in New York nur in radikaler Guerilla-Manier in Kontakt, indem er sich frei nach dem Motto \u201eIts easier to get forgiveness than permission\u201c erlaubte, seine Gem\u00e4lde eigenh\u00e4ndig und inkognito zwischen den gro\u00dfen Meisterwerken zu h\u00e4ngen, begab sich der Abtr\u00fcnnige der Kunstwelt nun zum ersten Mal von offizieller Seite autorisiert auf das institutionelle Bankett eines tradierten Museums. Er meinte dazu: \u201cThis is the first show I\u2019ve ever done where taxpayers\u2019 money is being used to hang my pictures up rather than scrape them off\u201c. <\/p>\n\n\n\n<p>10 Monate an Vorbereitung dauerte es angeblich, in denen die Durchf\u00fchrung der Ausstellung von einem sehr engen Kreis an involvierten Personen geplant wurde. Der K\u00fcnstler selbst, der sich darum bem\u00fcht, seine mysteri\u00f6se Identit\u00e4t wegen zahlreicher illegaler Spray-Aktionen vorangegangener Jahre geheim zu halten, kommunizierte \u00fcber Agenten mit den offiziellen Verantwortlichen. Dem Personal wurde wenige Tage vor der Er\u00f6ffnung, am 15. Juni 2009 frei gegeben, damit das Team rund um Banksy in den Museumsr\u00e4umlichkeiten frei walten konnte. Drau\u00dfen auf der Stra\u00dfe gab es nur wenige Hinweise darauf, was den Besucher und die Besucherin hinter den Mauern des um 1900 errichteten Geb\u00e4udes schlie\u00dflich erwarten w\u00fcrde. Eine Menschenschlange von beachtlicher L\u00e4nge, die sich von den Toren des Museums weg, \u00fcber mehrere Stra\u00dfen und Kreuzungen, hunderte Meter durch die Altstadt zog, lie\u00df darauf schlie\u00dfen, dass es sich, was auch immer im Museum zu sehen war, um etwas Wichtiges handeln musste. Mehrere wei\u00dfe Banner mit Banksy-Signatur und plakativ pinkem Farbklecks k\u00fcndigten die Ausstellung an (Abb. 3).<\/p>\n\n\n\n<p><strong>\u00dcber Clowns<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Wenn man an der Fassade des Geb\u00e4ude hochblickte, war die lebensgro\u00dfe Figur eines McDonalds-Clowns (Abb. 3 und 4) auszumachen, der in vorgebeugter Haltung am Gesims im ersten Stock sa\u00df und melancholisch den Kopf h\u00e4ngen lie\u00df. Bei ihm, eine Flasche Schnaps und der Wille, mit dem Leben abzuschlie\u00dfen. Es handelte sich um eine von Banksy nach der Er\u00f6ffnung angebrachte Arbeit, die sich genau am \u00dcbergang zwischen seinem nat\u00fcrlichen Wirkungsbereich, der Stra\u00dfe und der von ihm ansonsten angefeindeten Institution, dem Museum, befindet.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"aligncenter size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"675\" src=\"http:\/\/geraldzagler.net\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/image-1024x675.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-106\" srcset=\"http:\/\/geraldzagler.net\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/image-1024x675.png 1024w, http:\/\/geraldzagler.net\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/image-300x198.png 300w, http:\/\/geraldzagler.net\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/image-768x506.png 768w, http:\/\/geraldzagler.net\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/image-1536x1012.png 1536w, http:\/\/geraldzagler.net\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/image-2048x1350.png 2048w, http:\/\/geraldzagler.net\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/image-1200x791.png 1200w\" sizes=\"(max-width: 709px) 85vw, (max-width: 909px) 67vw, (max-width: 1362px) 62vw, 840px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Abb. 3: Banksy. Banner vor dem Bristol City Museum 2009 &#8211; Foto: Gerald Zagler<\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n<p>Die seelischen Untiefen, die jemandem zum \u00c4u\u00dfersten, bis hin zum Selbstmord treiben, um den Qualen des irdischen Daseins ein Ende zu bereiten, r\u00fchren von einer charakterlichen Sensibilit\u00e4t, die vielen K\u00fcnstlerInnen und K\u00fcnstlern zugeschrieben wird und mitunter sogar als Voraussetzung f\u00fcr kreative Schaffensprozesse gilt. Die Tiefgr\u00fcndigkeit, die mit dem Gr\u00fcbeln \u00fcber den Lebenssinn einhergeht, ist eine ernste, komische oder ironische, aber niemals fr\u00f6hliche Angelegenheit. Im Gegensatz zu bildenden K\u00fcnstlern und K\u00fcnstlerinnen, die diese Ernsthaftigkeit auch in ihren Werken ausdr\u00fccken, befindet sich der Clown in einer seelischen Zwickm\u00fchle, weil er die Leute zum Lachen bringen will und ob seiner Berufung auch muss, gleichzeitig aber mit seiner selbst und den Lasten der Welt so hadert, dass er diese innere Qual niemals vollst\u00e4ndig zu verbergen vermag. <\/p>\n\n\n\n<p>Als Symbol dieser Schizophrenie des lachenden und gleichzeitig auch weinenden Auges gilt der Harlekin, der, obwohl er die Menschen fr\u00f6hlich stimmen m\u00f6chte, in Abbildungen als traurige Gestalt anzutreffen ist. Die Maskerade der guten Laune, die eine darunter liegende kontr\u00e4re Psyche verdeckt, birgt ein Faszinosum in sich, das des Menschen ureigene Empfindungen anspricht. Auch Kinder, f\u00fcr die die rotnasige Figur erheiternd wirken soll, stehen dem Clownesquen mit einem Gef\u00fchlsgemisch aus Unbehagen und gleichzeitigem Interesse am Geheimnisvollen gegen\u00fcber. Sp\u00e4testens seit Steven Kings Gestalt des Pennywise im Horrorroman \u201eEs\u201c aus dem Jahr 1986 wurde die Ambivalenz soweit gesteigert, dass der Clown nicht mehr nur als Kom\u00f6diant von trauriger Gestalt inszeniert wird, sondern dass sich hinter der Schminke vielmehr der Albtraum aller Kinder, das von Grund auf B\u00f6se, verbirgt. <\/p>\n\n\n\n<p>Alen Moores und Dave Gibbons amerikanischer Kultcomic \u201eWatchmen\u201c, der 2009 auch in einer aufwendigen Produktion unter der Regie von Zack Snyder verfilmt wurde, ist eine Geschichte von charakterlich stark differenziert angelegten amerikanischen Antihelden, die in einer fiktiven Welt der 1980er leben. Ihre brutalen, von Selbstjustiz gezeichneten Methoden der Verbrechensbek\u00e4mpfung treffen in der \u00d6ffentlichkeit mehr auf Emp\u00f6rung als auf Zuspruch. <\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"aligncenter size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"425\" src=\"http:\/\/geraldzagler.net\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/jeffrey-dean-morgan-watchmen-comedian-1024x425.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-108\" srcset=\"http:\/\/geraldzagler.net\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/jeffrey-dean-morgan-watchmen-comedian-1024x425.jpg 1024w, http:\/\/geraldzagler.net\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/jeffrey-dean-morgan-watchmen-comedian-300x125.jpg 300w, http:\/\/geraldzagler.net\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/jeffrey-dean-morgan-watchmen-comedian-768x319.jpg 768w, http:\/\/geraldzagler.net\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/jeffrey-dean-morgan-watchmen-comedian.jpg 1200w\" sizes=\"(max-width: 709px) 85vw, (max-width: 909px) 67vw, (max-width: 1362px) 62vw, 840px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Jeffrey Dean Morgan mimte den &#8220;Comedian&#8221; in Jack Snyders Verfilmung des Kult-Comics &#8220;Watchmen&#8221; von Alan Moore. &#8211; Filmstill: Warner Bros. \/ Paramount Pictures<\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n<p>Einer der Schl\u00fcsselcharaktere ist \u201eThe Comedian\u201c, ein Macho, der keine Zukunft f\u00fcr ein friedliches, gesittetes Zusammenleben der Menschheit sieht. Seine resignierende Haltung manifestiert sich in moralisch verwerflichem Handeln, bis hin zur schieren Brutalit\u00e4t und einem kompromisslosen Zynismus, der seinem Gesicht ein permanentes Grinsen abverlangt. Seine Ermordung ist der Beginn der Erz\u00e4hlung. Erz\u00e4hlt wird sie von \u201eRorschach\u201c, einer weiteren Figur der verbotenen Heldenriege, die mit detektivischer Herangehensweise versucht, die Hintergr\u00fcnde des Verbrechens aufzurollen. Seine Geschichte schreibt er in einem Tagebuch nieder, in dem er an einer Stelle in Bezug auf den Kom\u00f6dianten anmerkt: <\/p>\n\n\n\n<p><em>\u201cHeard joke once: Man goes to doctor. Says he&#8217;s depressed. Says life seems harsh and cruel. Says he feels all alone in a threatening world where what lies ahead is vague and uncertain. Doctor says: \u2018Treatment is simple. Great clown Pagliacci is in town tonight. Go and see him. That should pick you up.\u2019 Man bursts into tears. Says: \u2018But Doctor&#8230; I am Pagliacci.\u2019 Good joke. Everybody laugh. Roll on snare drum. Curtains. Fade to black.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"aligncenter size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"681\" src=\"http:\/\/geraldzagler.net\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/image-1-1024x681.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-107\" srcset=\"http:\/\/geraldzagler.net\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/image-1-1024x681.png 1024w, http:\/\/geraldzagler.net\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/image-1-300x200.png 300w, http:\/\/geraldzagler.net\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/image-1-768x511.png 768w, http:\/\/geraldzagler.net\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/image-1-1536x1022.png 1536w, http:\/\/geraldzagler.net\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/image-1-2048x1362.png 2048w, http:\/\/geraldzagler.net\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/image-1-1200x798.png 1200w\" sizes=\"(max-width: 709px) 85vw, (max-width: 909px) 67vw, (max-width: 1362px) 62vw, 840px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Abb. 4: Banksy. Clown-Skulptur am Gesims des Bristol City Museums 2009 &#8211; Foto: Gerald Zagler<\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n<p>Banksys rot-gelb gekleideter McDonalds-Clown leidet offensichtlich auch an jener Schwermut, die dem Kom\u00f6dianten in der Brust sitzt. Als Markenzeichen eines amerikanischen Weltkonzerns kann, in Anbetracht der aktuellen Wirtschaftskrise, seine depressive Haltung auch mit den vorherrschenden \u00f6konomischen Verh\u00e4ltnissen in Verbindung gebracht werden. Seit November 2008 machten die Bankeliten n\u00e4mlich keinen Hehl mehr daraus, wie es um die westliche Wirtschaft bestellt ist. Die von jahrelang praktizierter Finanzkosmetik dick aufgetragene Schicht an Zahlenschminke begann zu br\u00f6ckeln und legte die nicht mehr zu verheimlichende Realit\u00e4t eines desolaten, von Falten und Narben \u00fcbers\u00e4ten Systems frei, das zu lang eine sch\u00f6ne Welt vorgegaukelt hatte, die es so niemals gab.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>American Way of Life<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Das enge Nebeneinander von Freude und Leid wird auch in einer anderen Arbeit Banksys auf Leinwand ersichtlich, die zwei Symbolfiguren des American Way of Life zeigt (Abb. 5):<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"aligncenter size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"744\" src=\"http:\/\/geraldzagler.net\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/image-2-1024x744.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-112\" srcset=\"http:\/\/geraldzagler.net\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/image-2-1024x744.png 1024w, http:\/\/geraldzagler.net\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/image-2-300x218.png 300w, http:\/\/geraldzagler.net\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/image-2-768x558.png 768w, http:\/\/geraldzagler.net\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/image-2-1536x1117.png 1536w, http:\/\/geraldzagler.net\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/image-2-2048x1489.png 2048w, http:\/\/geraldzagler.net\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/image-2-1200x872.png 1200w\" sizes=\"(max-width: 709px) 85vw, (max-width: 909px) 67vw, (max-width: 1362px) 62vw, 840px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Abb. 5: Banksy Artwork aus dem Buch \u201cWall and Piece\u201d. 2006<\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n<p>Auf der linken Seite ein Mickey-Maus-Maskottchen, so wie es im Disneyland  anzutreffen ist. Auf der anderen Seite wieder der McDonalds-Clown. Beide mit dem gewohnt fr\u00f6hlichen Auftreten, mit dem sie auch alle anderen anstecken m\u00f6chten. Was in diesem Bild aber falsch l\u00e4uft, ist die Tatsache, dass sie zwischen ihnen ein halb verhungertes afrikanisches M\u00e4dchen an den H\u00e4nden halten. Die symboltr\u00e4chtige Aussage kann klarer nicht sein. Der Wohlstand und die Freuden der westlichen Welt sind nur eine Seite der Medaille. Der bevorteilte Lebensstil ist in unserer globalisierten Welt nur zu Lasten der Bev\u00f6lkerung wirtschaftlich unterentwickelter L\u00e4nder aufrecht zu erhalten. <\/p>\n\n\n\n<p>Von der gl\u00fccklichen Erscheinung des Clowns ist bei der Figur am Gesims des Museums nichts mehr zu merken. Die Skulptur offenbart in ihrer Traurigkeit die Diskrepanz zwischen Kunst und Werbung, die wohl, auch wenn die Grenzen zwischen den beiden Bereichen flie\u00dfend sind, niemals verschwinden kann. Hanno Rauterberg legt dies in seinem Buch \u201eUnd das ist Kunst?\u201c treffend offen: \u201eWerbung, so raffiniert und klug und sensibel sie auch auftreten mag, kann immer nur Frohsinn verhei\u00dfen, Sch\u00f6nheit, Reichtum, Befriedigung. Sie kann keine Trag\u00f6die sein, keine Apokalypse, kann den Betrachter nicht in die Dunkelheit f\u00fchren und ihn dort belassen. Sie kann nichts von dem, was den Gro\u00dfteil guter Kunst ausmacht: kann die Welt nicht in Zweifel ziehen, kann nicht misstrauisch sein, misanthropisch, w\u00fctend. Sie muss einen Ausweg aufzeigen, denn der Ausweg ist das Produkt.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Die \u00f6konomische Zweckgebundenheit der Werbung steht somit in Widerspruch zur Zweckfreiheit neuerer und neuester Kunst. K\u00fcnstlerischen Str\u00f6mungen wie die Pop-Art oder Werbekampagnen wie jene vom Modelabel Benetton in den 1990er-Jahren bewegten sich bewusst in der Schnittmenge beider Systeme, sodass eine strikte Abgrenzung nicht mehr m\u00f6glich ist. Diese Erkenntnis ist gerade im Zusammenhang mit der meist plakativen \u00c4sthetik von Street-Art-Arbeiten interessant. Formal erinnern besonders die Schablonen-Graffitis stark an das Grafikdesign von Werbeplakaten oder politischer Propaganda, was unter anderem auch daher r\u00fchrt, dass viele der Akteure und Akteurinnen, die sich k\u00fcnstlerisch auf der Stra\u00dfe mitteilen wollen, ausgebildete Grafikerinnen und Grafiker sind und allein schon aus beruflichen Gr\u00fcnden der Werbebranche sehr nahe stehen. Meistens verwenden sie die gleichen Grafikdesign-Programme wie in der Werbung und halten sich auch an \u00e4hnliche gestalterische Grunds\u00e4tze. (Vgl. Julia Reinecke. Street Art. Eine Subkultur zwischen Kunst und Kommerz. Bielefeld 2007) <\/p>\n\n\n\n<p>Gemeinsamkeiten zur Pop-Art bestehen auch dahingehend, dass auch die K\u00fcnstler und K\u00fcnstlerinnen der Street-Art mit ihren vervielf\u00e4ltigten Postern, Schablonen, usw. oftmals Kritik an Massenmedien und Werbung \u00fcben. So gilt es auch zu unterscheiden, von welcher Sorte die angebrachten Arbeiten sind. Manche Werke beschr\u00e4nken sich rein auf die grafischen Qualit\u00e4ten und sind somit als \u00e4sthetische Abweichungen des herk\u00f6mmlichen Stadtbilds zu verstehen. In diesem Fall liegt der Verdacht nahe, dass es sich nicht um Kunst handelt, sondern schlicht um Design. Viele Werke definieren sich allerdings \u00fcber blo\u00dfe Formalismen hinaus durch eine inhaltliche Aussage, die oft witzig, ironisch und meist auch kritisch ist. Der Reiz liegt gerade darin, wenn die grafische Oberfl\u00e4che der Werbung und des Designs mit der inhaltlichen Ebene in ein Spannungsverh\u00e4ltnis tritt. Diese Diskrepanz zwischen Bild und Inhalt ist bei Banksys Installation am Gesims des Bristol City Museums ersichtlich, wenn er im Sinne Hanno Rautebergs den McDonald\u2019s-Clown von einer Werbefigur zu einem Kunstwerk transformierte.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-css-opacity\"\/>\n\n\n\n<p><em>Der urspr\u00fcngliche Text entstand im Zuge eines wissenschaftlichen Aufenthalts in Bristol, England 2009\/2010 und wurde f\u00fcr die Online-Publikation \u00fcberarbeitet<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Bibliografie:<\/p>\n\n\n\n<p>Banksy. Wall and Piece. London 2006<br>Hanno Rauteberg. Und das ist Kusnt ?! &#8211; Eine Qualit\u00e4tspr\u00fcfung. Frankfurt\/Main 2007<br>Julia Reinecke. Street Art. Eine Subkultur zwischen Kunst und Kommerz. Bielefeld 2007<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Seit mittlerweile zwei Jahrzehnte ist Banksy einer der verl\u00e4sslichsten Saboteure der Kunstwelt. Von seinen subversiven Aktionen berichten Medien weltweit, was sich nicht zuletzt auch im Verkaufswert seiner Werke niederschl\u00e4gt. Er selbst schuf durch konsequente Abwesenheit einen Mythos rund um seine Person. 2009 stellte er in seiner Heimatstadt Bristol aus &#8211; Massen str\u00f6mten in die englische &hellip; <a href=\"http:\/\/geraldzagler.net\/?p=104\" class=\"more-link\">Continue reading<span class=\"screen-reader-text\"> &#8220;Was uns Street-Art-K\u00fcnstler Banksy \u00fcber die Abgr\u00fcnde der schillernden Markenwelt lehrt&#8221;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[4,16,17],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/geraldzagler.net\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/104"}],"collection":[{"href":"http:\/\/geraldzagler.net\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/geraldzagler.net\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/geraldzagler.net\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/geraldzagler.net\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=104"}],"version-history":[{"count":19,"href":"http:\/\/geraldzagler.net\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/104\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":268,"href":"http:\/\/geraldzagler.net\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/104\/revisions\/268"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/geraldzagler.net\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=104"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/geraldzagler.net\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=104"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/geraldzagler.net\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=104"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}