Gebaute Zukunft. Karl Schwanzer in St. Pölten

Ausstellung Stadtmuseum St. Pölten anlässlich des 100. Geburtstags des Österreichischen Architekten Karl Schwanzer, der in der Landeshauptstadt zu Beginn der 1970er-Jahre das Lehrzentrum des Wirtschaftsförderungsinstituts (Wifi) realisierte.

Wifi St. Pölten Lehr- und Werkstättengebäude – Karl Schwanzer / Foto: Gerald Zagler

Geradezu als konsequent erschien der vom Wirtschaftsförderungsinstitut kurz vor der Jahrtausendwende gefällte Entschluss, den sogenannten „Wifi-Turm“ in St. Pölten abzureißen. Der 54 Meter hohe Beton-Koloss nahe der Westautobahn war in die Jahre gekommen. Die bröckelnde Fassade und das beengende Innenleben machten ihn zu einem unliebsamen Relikt aus einer anderen Zeit. Die Ausstellung „Gebaute Zukunft – Karl Schwanzer in St. Pölten“ beschreibt ein Stück jüngere Stadtgeschichte, in deren Zentrum mit Karl Schwanzer einer der bedeutendsten Architekten Österreichs steht. 2018 würde er seinen 100. Geburtstag feiern.

Gegossene Wohnskulptur

Von Montreal bis Wien, von München bis Brasilia: Karl Schwanzers Werke gelten als Ikonen der Architektur. Es sind Charakter-Bauten, die sich stilistisch nicht miteinander vergleichen lassen. Allen liegt eine, je nach Anforderung höchst individuelle Formensprache zugrunde. Auch der Wifi-Turm war in diesem Sinn einzigartig. Wie ein riesiger Monolith schrieb sich das einstige Internatsgebäude in das suburbane Stadtbild St. Pöltens und zeugte weithin sichtbar von einem Fortschrittsglauben, der das wirtschaftlich prosperierende Österreich in den 1960er-Jahren erfasste. Das Baumaterial Beton in seiner rohen Anmut unterstrich den modernistischen Anspruch. Karl Schwanzer schätzte die plastischen Qualitäten des „gegossenen Steins“. Den Turm erschuf er gleichsam als Wohnskulptur. 

Das ebenfalls von Schwanzer für St. Pölten zeitgleich entworfene Lehr- und Werkstättengebäude des Wifi ist denkmalgeschützt. Wie steht die Stadt zu diesem Erbe? Zur Eröffnung im Jahr 1972 blickten die Menschen gebannt in die Zukunft. Rasante technische Entwicklungen erforderten ein entsprechendes Modell der Aus- und Weiterbildung. Schon damals ging das Wifi davon aus, dass erlerntes Wissen bereits in kurzer Zeit wieder „überaltet“ sein würde. Auch die Architektur blieb von diesen Veränderungen nicht ausgenommen. Die Welt rund um das Jahr 2000 war eine andere als jene 30 Jahre davor. Jede Epoche habe auch Substanz geopfert, um Neues entstehen zu lassen, meinte einst Karl Schwanzer. Dass gerade eines seiner Bauwerke diesem Grundsatz zum Opfer fiel darf als tragische Ironie gewertet werden. Neben der Baugeschichte beleuchtet das Stadtmuseum daher die damaligen Positionen in der Diskussion um die Erhaltung des Wifi-Turms. 


23. 4. bis 6. 8. 2018 – Gebaute Zukunft. Karl Schwanzer in St. Pölten
Ausstellung zum 100. Geburtstag des Österreichischen Architekten Karl Schwanzer
Konzept und Projektentwicklung in Zusammenarbeit mit dem Stadtmuseum St. Pölten

Leitung: Thomas Pulle
Kurator: Gerald Zagler
Gestaltung: Doris Zichtl und Marcello M. H. Hrasko (no-mad-designers)
Technik und Aufbau: Heinz Backnecht und Erwin Wallner
Drucke und Scans: Susanne Kollmann und Peter Prochaska
Lektorat: Peter Kopecky

Ausstellungspublikation (in Kürze verfügbar)

Karl Schwanzer – Wikipedia
Karl Schwanzer Archiv – Wien Museum
Stadtmuseum St. Pölten